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Winterbienen — warum der Herbst entscheidet

1082 Wörter·6 min

Wer im April vor einem summenden, kräftigen Volk steht, sieht das Ergebnis einer Arbeit, die acht Monate zurückliegt. Denn die Bienen, die den Winter überstehen und im Vorfrühling die erste Brut großziehen, schlüpfen bereits zwischen Juli und Oktober. Diese Generation heißt Winterbienen — und was sie in ihren ersten Lebenstagen vorfindet, entscheidet darüber, wie das Volk aus dem Winter kommt.

Eine andere Biene als die vom Juli
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Eine Sommerbiene lebt etwa vier bis sechs Wochen. Sie sammelt, baut, füttert und heizt, bis der Körper aufgebraucht ist. Die im Spätsommer geschlüpften Bienen dagegen müssen mehrere Monate durchhalten und danach noch die Kraft haben, im Februar die erste Brut des Jahres zu wärmen und zu versorgen.

Es ist dieselbe Art, dieselbe Mutter, oft dieselbe Wabe — aber ein anderer Körper. Wie das Volk seine Aufgaben überhaupt auf verschiedene Bienentypen verteilt, beschreibt der Beitrag Das Bienenvolk — wer darin lebt und wie es funktioniert.

Das Fett-Eiweiß-Polster
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Der Unterschied steckt im Inneren. Winterbienen legen ein sogenanntes Fett-Eiweiß-Polster an — eine körpereigene Vorratskammer aus Fett und Eiweiß. Aus dieser Reserve speisen sie später den Futtersaft für die ersten Larven des Jahres, zu einer Zeit, in der draußen noch fast nichts blüht.

Und hier steckt das Detail, das die meisten überrascht: Es genügt nicht, dass die Larve gut versorgt wird. Die frisch geschlüpfte Biene muss selbst noch große Mengen Pollen fressen, um dieses Polster aufzubauen. Sie ist also ihre eigene Speisekammer. Fehlt in diesen Tagen der Pollen, schlüpfen zwar Bienen — aber Winterbienen ohne Rücklage. Sie halten kürzer durch, und das Volk startet im Frühjahr aus dem Rückstand.

Pollen im Spätsommer — der Rohstoff
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Das entscheidende Zeitfenster liegt etwa zwischen Juli und September. In dieser Zeit muss Pollen hereinkommen, und zwar verlässlich.

Auf späte Trachten sollte man sich dabei nicht blind verlassen. Sonnenblume, Silphie oder Besenheide liefern nur, wenn kurz vor oder zu Beginn der Blüte genug Regen gefallen ist — bleibt er aus, bleibt auch der Eintrag aus. Genau in dieser Lücke wird der Bienenstand außerdem unruhig, weil die Völker anfangen, sich gegenseitig zu bestehlen; was dann hilft, steht unter Räuberei bei Bienen — wenn Völker klauen.

Was ein Garten beitragen kann
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Es lohnt sich, im August einmal bewusst durch Garten und Umgebung zu gehen und zu schauen: Was blüht hier eigentlich noch? Meist ist die Antwort ernüchternd. Gut nachrüsten lässt sich mit:

  • Korbblütlern wie Sonnenhut, Sonnenbraut, Sonnenauge oder Mädchenauge
  • einfach blühenden Dahlien und Kosmeen — bei gefüllten Sorten sind die Staubgefäße zu Blütenblättern umgezüchtet, sie sind für Bienen wertlos
  • Sedum, also Fetthenne, als späte und zuverlässige Quelle
  • Garten- und Küchenkräutern, die man einfach blühen lässt

Gemulchte Staudenbeete haben nebenbei den Vorteil, dass sie deutlich weniger Wasser brauchen als Rasen — in trockenen Spätsommern ein Argument für sich.

Warum die Varroamilbe gerade den Winterbienen schadet
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Pollen allein genügt nicht. Die Varroamilbe ist die häufigste Ursache für Winterverluste, und sie trifft ausgerechnet diese Generation am härtesten.

Die Milben vermehren sich in der verdeckelten Brut. Wer im Spätsommer zu spät eingreift, lässt genau die Bienen unter hoher Belastung heranwachsen, auf die es ankommt. Dazu kommen die Viren, die Milben übertragen: Sie verkürzen die Lebensdauer und schwächen die Leistungsfähigkeit. Tückisch ist die Verzögerung — im August wirkt das Volk oft noch prächtig, und der Schaden zeigt sich erst als mühsame Überwinterung oder als stille, leere Beute im Februar. Wie man den Befall überhaupt beurteilt, erklärt Varroa im Griff — Befall erkennen und handeln.

Ein Blick, der viel verrät
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Ein einfaches Warnsignal findet sich am Flugloch: Tauchen dort auffällig kleine, dunkle Bienen auf, manchen fehlen die Flügel, dann war die Behandlung nicht wirksam genug. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Hinweis, dass nachgesteuert werden muss.

Welche Mittel und Mengen jeweils richtig und zugelassen sind, hängt von vielen Faktoren ab — hierzu beraten Bieneninstitute und Imkervereine.

Futter, Wintersitz und Ruhe
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Mit der letzten Honigernte nimmt der Imker dem Volk seinen eigenen Wintervorrat weg. Der Ersatz muss zügig kommen, sonst schränkt die Königin die Eiablage ein — und die Brut, die jetzt ausbleibt, wären die Winterbienen gewesen. In weiten Teilen Deutschlands wird deshalb zwischen Mitte August und Mitte September gefüttert, in mehreren Portionen statt auf einen Schlag, damit das Brutnest Platz behält.

Bis Mitte September sollte der Vorrat stehen. Danach wird es kühl, das Volk zieht sich zur Wintertraube zusammen, und Nachschub nimmt es nur noch an, wenn er unmittelbar am Bienensitz sitzt.

Der Wintersitz — ein Detail mit großer Wirkung
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Beim Einrichten des Wintersitzes lohnt der Blick auf einzelne leere Waben mitten im Brutnest. Sie wirken im Winter wie eine Kältebarriere: Die Traube wandert nicht über sie hinweg, und das Volk kann verhungern, obwohl wenige Zentimeter weiter Futter steht. Solche Waben gehören heraus.

Danach heißt Winterruhe wirklich Ruhe. Ein Deckel, an dem der Herbststurm zerrt, ein Ast, der bei jedem Windstoß gegen die Beute schlägt, eindringende Nässe — solche Dauerstörungen können ein Volk kosten. Wie sich all das in den Jahresverlauf einfügt, zeigt Das Bienenjahr — was Imker wann tun.

Häufige Fehler im Spätsommer
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  • Zu spät behandeln. Wer wartet, bis das Volk sichtbar leidet, behandelt die Winterbienen erst, nachdem sie geschädigt sind.
  • Zu spät füttern. Ab Oktober nützt der schönste Vorrat wenig, wenn die Bienen ihn nicht mehr umtragen.
  • Auf eine alte Königin setzen. Nach der Varroa ist das Alter der Königin die zweithäufigste Ursache für Winterverluste. Ältere Weiseln stellen die Eiablage früher ein — genau dann, wenn Winterbienen entstehen sollten.
  • Im Winter „mal nachsehen". Jedes Öffnen kostet Wärme und Vorrat. Wiegen sagt mehr als aufmachen.

Fazit
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Winterbienen entstehen nicht im Winter, sondern im Spätsommer — aus Pollen, aus einem niedrigen Milbendruck, aus rechtzeitigem Futter und einer Königin, die noch legt. Wer im August und September gründlich arbeitet, muss im Frühjahr wenig reparieren. Wer es verschiebt, kann es nicht nachholen: Die Generation, um die es geht, ist dann längst geschlüpft.

Quellen & weiterführende Links#

Stand: 08/2026

Hinweis: Allgemeine Information, keine fachliche, tierärztliche oder rechtliche Beratung. Im Zweifel beim Bieneninstitut oder Imkerverein nachfragen.

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